Weggekommen

25.06.2014

... und das recht angenehm.

Geweckt von lautem Gezwitscher kamen wir ziemlich früh aus der Koje. Der kleine Terrorist hatte es sich auf einem unserer Festmacher gemütlich gemacht und alles aus dem Bett gebrüllt.

Na gut, starten wir halt früher. Ein kurzes Frühstück (@Ira: Kaffee und Kekse!) und ab ging die Post.
Da der Wind gegen an kam, ging es von Glowe aus erstmal unter Motor mit Kurs genau 0° raus zum Kap Arkona und gleich dahinter wurde links abgebogen.


Von dort wechselte sich unsere Antriebsart fast stündlich. Von Motor auf Vor- und Großsegel, dann kam die rote Nase raus und wir nutzen den restlichen Schwachwind mit Großsegel und Gennaker.
Als auch das nicht mehr half, alles runter und Motor an. Dann kam wieder Wind auf und wir setzten Vor- und Großsegel, weil die Windrichtung nicht mehr mit Gennaker zu segeln war (er kam von zu weit vorn). Dann schlief der Wind wieder fast ein und der Motor kam als kleiner Anschub dazu. Dann reichte der Wind wieder aus und der Motor wurde abgestellt ... usw. usf. ...



Langeweile hatte also keine Chance, ich war gut beschäftigt. Zum Glück funktioniert die Eigenkonstruktion unserer Pinnen-Arretierung so leidlich. Dadurch ist man nicht permanent ans Ruder gefesselt ... und kann seine Kaffee in Ruhe trinken :-)
Wichtig - alle Segelmanöver ganz genau im Logbuch dokumentieren. Das ist eher Harrys Aufgabe. An dieser Stelle sind wir allerdings gerade mal aus dem Hafen raus:

Fast mittig zwischen Rügen und Dänemark  häuften sich die großen Pötte. Sie querten von links und rechts, sie kamen von schräg vorn oder auch von schräg hinten. Man merkte, dass man nah an einer der Hauptverkehrsadern der Ostsee kam:



Und dann sahen wir auch schon unser Ziel näher kommen - die Insel Møn (@Micha: Ein "ø"! - ja, diesmal bin ich besser vorbereitet *grins*). Dort wollen wir in den Hafen von Klintholm. Die Kreidefelsen der Insel sind schon von weitem zu sehen:


Also noch schnell die Gastlandflagge gehisst und das Boot für das Anlegen vorbereitet. Yippieh, Dänemark hat uns wieder.


Hier in Klintholm haben wir Traumwetter. Der eisige Wind vom Meer verbrutzelt in der Sonne. Der Bauch ist voll, vom nahen Strand hört man die Wellen rauschen und die Ruhe im Hafen idyllisch. Wir werden wohl heute nicht sehr lange auf bleiben. Morgen geht es früh weiter, Kurs Skanör. Und wir müssen dringend vor 18 Uhr im Hafen sein, das Boot mit allen deutschen Flaggen bestücken, die sich an Bord finden (also zwei) und DAS Spiel gucken. Mir wurde versprochen, dass mein DVBT-Stick auch hier in Dänemark funktioniert. Wenn nicht ... große Katastrophe ... !!!

Zum Abschluss die heutige Route:



Hoch und Tief

23. / 24.06.2014

Der erste Tag war schon mal heftig. Das war nicht mein Tag. Kaum saß ich am Ruder, ging irgendwas daneben. Mal ging die Halse in den hohen Welle schief, mal war der Ostseegrund des Greifswalder Boddens plötzlich steinig und noch plötzlicher nur 1,20 m unter der Wasseroberfläche. Immerhin wissen wir jetzt, wie sich ein Klappschwert anhört, wenn es über Steine springt: plong .... pling-pling-plong ... pling-plong. Ich hätte auch gut ohne diese Erfahrung weiterleben können. Die Karte auf dem Plotter zeigte die Untiefe auch an, aber nur, wenn man sich in der Detailanzeige befindet. Sehr ärgerlich.
Zurück zur eigentlichen Tour. Um den Absprung von Rügen zu schaffen, ging es vom Heimathafen Neuhof nach Lohme, in den Norden von Rügen. Das Wetter versprach eine sportliche Tour mit Windstärke 5-6 Beaufort (Bft), in Böen 7 Bft. Die Wellenhöhe wurde mit 1m vorausgesagt.


 Im Bereich von Strelasund und Bodden traf dies auch alles zu. Je weiter wir uns jedoch auf der Ostseite Rügens (vorbei an Sellin, Binz und Saßnitz) nach Norden bewegten, wurde es heftiger. An der Nord-Ostseite Rügens, mit schönem Blick auf die Kreidefelsen, bauten sich die Wellen schon gut über 1,50m auf und der Wind stellte sich eher auf 6-7 Beaufort ein. Und da passierte es: Frau "mir wird irgendwie nie schlecht auf dem Wasser" saß still in der Ecke und kämpfte mit den Urgewalten und vor allem ihrem Mageninhalt. Nebenbei strahlte Harry über jede 2m-Welle und dem Wind mit bis zu 15 m/s (7 Bft).
Der Versuch, uns auf der Nordseite Rügens das Kreuzen zu sparen und die restlichen 3 Seemeilen unter Motor zu fahren schlug fehl. Der kleine schwarze Brüller konnte mit seinen 8 PS bei diesem Wetter nicht sehr viel ausrichten. Also noch ´ne Reisepille eingeworfen, die Segel wieder gesetzt und weiterhin ohne Opfergaben an das Meer durchgehalten. Nach genau 10 Stunden und 10 Minuten waren die 54 Seemeilen geschafft und wir im Hafen. Erstmal Anlegebier ... und dann ab zum Hafenmeister, Liegegeld bezahlen und Brötchen zum nächsten Morgen bestellen. Während ich danach ein paar Spaghetti zusammenrührte, testete Harry das Schwert. So richtig leichtgängig ist es beim Aufholen leider nicht. Wird schon.
Nach dem Essen wurde das Geschirr nur kurz übergespült. Zu mehr war keiner mehr fähig. Wir plumpsten in die Koje und schliefen bis in den späten Morgen.
Heute geht es wesentlich geruhsamer zu. Wir bleiben bis Mittag hier und wechseln dann nur in einen anderen Hafen, 6 sm von hier entfernt. Von Glowe aus haben wir windtechnisch einen etwas besseren Start bei den zu erwartenden Windrichtungen morgen früh.
Wir wollen noch wesentlich nördlicher, Ystad, Smygehamn, Klintholm oder Skanör ... schauen wir mal, was geht.
Hier noch unsere Route (gelbe Linie) vom 23.06.:


Segeln oder Segeln lassen?

Wochenende 20.-22.06.2014

Bevor es für die kommenden gut zwei Wochen (hoffentlich) sportlich auf 7m Kiellänge übers Wasser geht, erwartete uns noch ein ganz spezielles Leckerli:
auf Einladung von Harrys Arbeitgeber ging es mit dem Segelschoner "Weiße Düne" für ein Wochenende auf die Boddengewässer. Highlight der Tour war der Besuch der Premiere der diesjährigen Störtebeker-Festspiele.
Kurzes Fazit: die Weiße Düne ist ein 43m langer Segeltraum. Meine erste Fahrt auf einem so großen Segelschiff war sehr beeindruckend. Wir hatten Wind bis Stärke 8 und gute 1,5 m Welle - und auf diesem großen Schiff merkste kaum was. Ja, es schwankt und rollt, aber in nichts zu vergleichen mit dem Kampf unseres Bootes bei diesen Bedingungen. Klar! Aber trotzdem beeindruckend. Die Crew an Bord war erste Klasse. Die Kapitänin Jane und ihre 4-köpfige Crew ließen es an nichts fehlen. Udo der Koch war mein bester Freund ... spätestens 7 Uhr stand der Kaffee bereit und das Frühstück dauerte auch nicht mehr lange. Geschlafen wurde in Stockbetten, aber den größten Teil des Tages verbrachte man an Deck - immer auf der Suche nach dem sonnigsten Flecken im Windschatten. Wer wollte, durfte beim Segelsetzen mit anpacken, was allerdings eine ordentliche Schufterei war. Keine tat es zweimal ...






Die Premiere der diesjährigen Störtebeker-Festspiele in Ralswiek hatten ein überraschendes Finale.
Der Hauptdarsteller bat noch vor dem großen Feuerwerk um Ruhe und war sichtlich und hörbar aufgeregt. Nach ein paar Worten war jedem klar: das ist jetzt nicht geplant. Nach ein paar weiteren Sätzen ahnte wohl jeder, dass das ein sehr romantischer Heiratsantrag wird. Zwischendrin kam sein Pferd (ein schöner Friese) mit 12 roten Rosen in der Satteltasche auf die Naturbühne und dann kniete Störtebeker vor seiner völlig überraschten Partnerin aus dem Vorjahr und bat um ihre Hand. Hach ... - mit Pipi in den Augen verfolgten achttausend Zuschauer ihre Reaktion. Die Ärmste. Eine wirkliche Wahl hatte sie ja wohl nicht. Aber sie wirkte schon sehr erfreut, nahm den Antrag jubelnd an und das ganze Publikum tobte. Das darauf folgende Feuerwerk toppte das Ganze noch. Per Taxi ging es anschließend zurück zum Schiff und heute, Sonntag, zurück nach Wolgast.

Nach dieser schönen Segel-Tour sitzen wir wieder in unserem Boot und planen die erste Fahrt unseres Urlaubs auf eigenem Kiel. Der Wind ist immer noch kräftig; wir sollten morgen ein schöne Etappe gen Norden hinbekommen.

Startklar

10. Juni 2014

Wenn es nach uns ginge, dürfte es losgehen.
Bis auf ein paar kleine Optimierungen und Reparaturen ist das Boot bereit ... und wir schon längst.

Am letzten Wochenende haben wir schon mal das Ankern auf Ostseewasser geübt. In einer schönen Bucht des Strelasund, 2 Seemeilen östlich unseres Hafens, blieben wir fast einen Tag. Alles hatte gut geklappt und es war traumhaft.
Diese Stille! Diese Einsamtkeit! Das macht süchtig.

Der neue Grill kann aufgrund seiner kühl bleibenden Außenschale und
dem fast rauchfreien System gut im Cockpit verwendet werden.
Fleisch, Gemüse und ein Bier - perfekt! Und lecker sowieso ...


Zum Angewöhnen gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang.


Noch zwei Wochen, dann geht es los.
Mögliche Ziele gibt es viele. Süd-Dänemark wär schon toll. Vielleicht Kopenhagen?!
Entscheiden wird das wieder vornehmlich das Wetter. Die Windrichtung. Der Wind überhaupt.
Hauptsache weg.

Wer uns lesend begleiten möchte ist hier genau richtig - so wie die beiden letzten Jahre auch schon.
Auf ein Neues!


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